Eine Zeittafel der Tibetischen Geschichte:

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Tibet führt seine Anfänge auf das zweite Jahrhundert v. Chr. zurück, aber zuverlässige schriftliche Zeugnisse über seine Geschichte gibt es erst aus dem siebten Jahrhundert n. Chr.

Um 600
Köig Namri Songtsan von Yarlung, dem Gebiet südlich des Tsangpo-Flusses, beginnt mit der Einigung der vielen tibetischen Königreiche.

Um 627 Songtsan Gampo tritt die Nachfolge seines Vaters an. Unter seiner Herrschaft festigt sich Tibet weiter.

641 Songtsan Gampo führt in Tibet den Buddhismus ein. Schon mit drei tibetischen Prinzessinnen und der nepalesischen Prinzessin Brikuthi verheiratet, heiratet er jetzt noch die chinesische Prinzessin Wen-cheng. So schafft er Verbindungen mit den Ländern im Westen und Osten. Sowohl Brikuthi wie Wen-cheng sind Buddhistinnen. Songtsan Gampo schreibt Tibets erstes Gesetzeswerk. Sein Minister Thonmi Sambhota überträgt die indische Gup-Schrift ins Tibetanische.

649 Songtsan Gampo stirbt, Mangsong Mangtsan wird sein Nachfolger.

670 Krieg zwischen Tibet und der chinesischen Tä´ang-Dynastie. Tibet gewinnt Einfluß entlang der Handelsroute durch Zentralasien.

754 Tritsong Detsan gelangt auf den Thron.

Um 779 Erste buddhistische Mönchsuniversität Samye von Padmasambhava 75 Kilometer südöstlich von Lhasa gegründet. Übersetzung der buddhistischen Sutras und Tantras “der Tripitaka“ ins Tibetanische; Einführung des Tantra- Meditationssystems.

Um 792 Der indische Lehrer Kamalasila überwindet in einem Buddhismus-Streit den chinesischen Lehrer Hwashang und festigt damit den Vorrang des indischen über den chinesischen Buddhismus. Tritsong Detsan ernennt den Buddhismus zur Staatsreligion.

815 Trisug Detsan (bekannt als Ralpachen) wird gefolgt von Tride Songtsan (volkstümlich Seynalek genannt).

821 - 822 Eine Denkmalinschrift vor dem Potalapalast erinnert an einen Vertrag zwischen Indien und China.

Um 836 Langdarma, Nachfolger von Tritsug Detsan, beginnt unter dem Druck von Bon-Priestern, den Buddhismus in Zentraltibet zu unterdrücken. Abbrennen von Klöstern und Vertreibung der Mönche.

842 Ermordung Langdarmas durch einen buddhistischen Mönch. Nachfolgestreitgkeiten , das Königreich zerfällt und hinterlässt Tibet in einem Zustand politischen Aufruhrs.

866 Gründung des Königreiches Guge in West-Tibet durch Nachkommen der königlichen Familie.

1012 Geburtsjahr von Marpa, dem „Grossen Übersetzer“ (gestorben 1097)

1040 Geburt von Milarepa, Schüler von Marpa und der Dichterheilige Tibets ( gestorben 1123)

1042 Auf Einladung der königlichen Familie und Lamas des Königreiches Guge kommt Dipankara Atisa ( 982-1054), ein grosser buddhistischer Gelehrter, Lehrer und religiöser Führer nach Tibet und unterstützt die Tibeter bei der Wiederbelebung des Buddhismus.

1056 Atisas Schüler Dom Tonpa gründet in Rading (Reting) nördlich von Lhasa das Kloster Kadampa.

1073 Khon Konchog Gyalpo gründet in West-Tibet das Kloster Sakyapa.

1110 Gampopa wird Milarepas Schüler und gründet die Dwakpo-Kagyupa-Schule. Geburt des ersten Kamapa der später den Kagyupa-Orden gründet.

1207 Die tibetischen Fürsten unterwerfen sich friedlich Dschinghis Khan.

1249 Sakya Pandita (1182-1251) wird von den Mongolen zum tibetischen Vizekönig ernannt.

1253 Phakpa (1235-1280) wird Nachfolger von Sakya Pandita.

1260 Kublai Khan, Kaiser der chinesischen Yüan-Dynastie, verleiht Phakpa den Titel Ti-Shi (Kaiserlicher Lehrer) und machte den Sakyapa-Orden zum mächtigsten in Tibet.

1270 Kublai Khan bekehrt sich zum tibetischen Buddhismus.

Um 1325 Der Franziskanermönch Odoric behauptet,k auf der Suche nach dem verborgenen Reich des Priesterkönigs Johannes Tibet durchquert zu haben.

1357 Geburt von Tshongkhapa (gestorben 1419) dem Gründer des Gelukpa-Ordens.

1358 Jangchub Gyaltsan (1302-1373) aus der Familie der Phkmodru reisst die Macht vom Sakyapa-Orden an sich, als die Yüan-Dynastie ins Wanken gerät.

1368 Der Sturz der Yüan-Dynastie befreit Tibet von der Abhängigkeit von China, Verschiedene Gruppen beginnen mit einem Kampf um die Herrschaft über Tibet.

1391 Geburt des Ersten Dalai Lama, Gedun Drubpa (er erhielt den Titel posthum, als 1578 der Dritte Dalai Lama ernannt wurde).

1409 Tsong Khapa gründet das erste Gelukpa-Kloster Ganden.

1447 Der Erste Dalai Lama gründet das Kloster Tashil-hunpo, den späteren Sitz des Panchen Lama.

1474 Geburt des Zweiten Dalai Lama, Gedung Gyatsho.

1481 Die Prinzen von Rinpung übernehmen die Macht von Phakmodru.

1543 Geburt des Dritten Dalai Lama, Sonam Gyatsho.

1565 Karma Tsheten von Tsang übernimmt die Macht von Rinpung.

1570 Geburt des Ersten Panchen Lama und Lehrers des Fünften Dalai Lama, Lozang Chokyi Gyalthen, Verleihung des Titels „Panchen“ (Der Grosse Gelehrte) später durch den Fünften Dalai Lama. Die Panchen Lamas wurden die zweitwichtigsten religiösen Führer in Tibet.

1578 Sonam Gyatsho empfängt den Titel Dalai Lama (Meer der Weisheit) vom mongolischen Herrscher Altan Khan.

1589 Geburt des Vierten Dalai Lama, Yontan Gyatsho (Enkel von Altan Khan).

1617 Geburt des Fünften Dalai Lama, Ngawang Lozang Gyatsho, in Süd-Tibet. Er wird einer der größten Dalai Lamas, stellt später Tibets Unabhängigkeit wieder her und dehnt seine Autorität bis in die abgelegensten Regionen Tibets aus. Er nimmt den Handel mit Indien wieder auf und besucht China.

1623 Karma Tankyong Nachfolger von Karma Tsheten als König von Tsang.

1624 Antonio de Andrade, ein portugiesischer Jesuitenmissionar und der erste westliche Mensch, der Tibet erwiesenermassen betreten hat, eröffnet in Tsaprang, der Hauptstadt von West-Tibet, eine Mission (Schließung 1635).

1626 Andrade eröffnet eine Mission in Shigatse (Schließung 1635).

1627 Die Jesuiten Estavao Cacella und Joao Cabral werden in Shigatse vom König empfangen.

1642 Gushri Khan, Herrscher der Khoshot-Mongolen, schlägt Karma Tankyong und setzt den Fünften Dalai Lama als Herrscher von Tibet ein.

1644 Die Ch´ing-Dynastie der Mandschu vertreibt die Ming vom chinesischen Thron.

1652 Der erste Mandschukaiser Shun-Chih lädt den Fünften Dalai Lama nach Peking ein und erweist ihm Ehre.

1661 Die Jesuiten Johann Grüber und Albert d´Orville erreichen als erste westliche Menschen Lhasa.

1683 Geburt des Sechsten Dalai Lama, Tshangyang Gyatsho.

1705-1708 Lhazang Khan, der Führer der Khoshot-Mongolen, greift heimtückisch Lhasa an und tötet den Regenten des Dalai Lama.

1708 Kapuzinermönche gründen eine Mission in Lhasa . Geburt des Siebenten Dalai Lama, Kalzang Gyatsho.

1716-1721 Die Jesuitenpriester Ippolito Desideri und Emanuel Freyre besuchen Lhasa.

1717 Dzungar-Mongolen besetzen Lhasa und werden von tibetischen Streitkräften unter Pholhawa (Pholanas) vertrieben.

1718 Rom erkennt das tibetische Missionsgebiet eher den Kapuzinern zu als den Jesuiten.

1720 K´ang Hsi, Kaiser der Ch´ing Dynastie, eröffnet seine Botschaft in Lhasa.

1723 Die Chinesen ziehen aus Tibet ab.

1725-1735 Der holländische Reisende Samuel van de Putte unternimmt mehrere Reisen nach Tibet.

1728 Pholhawa, ein Mitglied des Ministerrates, der nach dem Sieg über die Dzungar-Mongolen Tibet regiert, vertreibt nationalistische tibetische Rivalen und regiert Tibet mit chinesischer Unterstützung.

1740 Pholhawa wird vom chinesischen Kaiser zum König von Tibet gekrönt.

1745 Ende der erfolglosen katholischen Missionierungsversuche in Tibet.

1758 Geburt des Achten Dalai Lama, Jampal Gyatsho.

1775 George Bogle, der este Handelsagen der Britischen Ostindischen Kompanie, besucht Tashilhunpo.

1783 Samuel Turner, der zweite Agent der Ostindischen Kompanie besucht Tashilhunpo.

1788 Die hinduistische Gurkha-Armee marschiert von Nepal aus in Tibet ein und kehrt nach einem Tributversprechen wieder um. Als die zweite Tributsendung nicht bezahlt wird, kehrt sie zurück und plündert Shigatse.

1792 Friedensübereinkunft mit den Gurkhas, aber die Macht der chinesischen Vertreter (Ambans) in der tibetischen Regierung wächst.

1806 Geburt des Neunten Dalai Lama, Tsultrim Gyatsho.

1811 Thomas Manning, exzentrischer britischer Reisender, besucht Lhasa.

1816 Geburt des Zehnten Dalai Lama, Lungtok Gyatsho.

1838 Geburt des Elften Dalai Lama, Khedrum Gyatsho.

1842 Die Dogra-Armee aus Kaschmir wird von Tibet zurückgeschlagen.

1846 Die Lazaristenpriester Evarist Huc und Joseph Gabet erreichen Lhasa. Sie sind die letzten westlichen Besucher bis 1904.

1856 Geburt des Zwölften Dalai Lama, Trinley Gyatsho. Wieder marschiert die Gurkha-Armee in Tibet ein.

1865-1885 Von den Briten ausgebildete indische Gelehrte (Panditen) erforschen heimlich Tibet.

1875 Geburt des Dreizehnten Dalai Lama, Thubten Gyatsho (gestorben 1933)

1879 Der russiche Forscher Nicolai Przhevalsky bereist Tibet.

1896 Der schwedische Forscher Sven Hedin betritt Tibet, erreicht Lhasa jedoch nie.

1903-1904 Eine britische Militärexpedition unter Colonel Francis Younghusband marschiert in Tibet ein und erreicht Lhasa. Der Dreizehnte Dalai Lama flieht in die Mongolei und bleibt vier Jahre dort. Tibet wird gezwungen, ein Abkommen über Handel und Grenzrechte zu unterzeichnen.

1906 Die Briten akzeptieren nach dem Eindringen chinesischer Truppen in Ost-Tibet eine vage definierte chinesische Oberherrschaft über Tibet.

1908 Rückkehr des Dreizehnten Dalai Lama nach Tibet.

1910 Chinesische Truppen marschieren in Lhasa ein und besetzen Teile der Stadt. Der Dreizehnte Dalai Lama flieht unter britischem Schutz nach Indien. Die Tibeter bekämpfen die Chinesen weiter und verteiben sie schließlich.

1911 Sturz der Ch´ing Dynastie. In China bricht der Bürgerkrieg aus. Ausrufung der Chinesischen Republik.

1912 Vertreibung der Chinesen aus Tibet. Der Dreizehnte Dalai Lama kehrt nach Tibet zurück.

1913 Der Dreizehnte Dalai Lama ruft Tibets Unabhängigkeit aus. Die Konferenz zu Simla (Indien) zwischen Briten, Chinesen und Tibetern teilt Tibet in zwei Teile. Das Innere Tibet und die östlichen Provinzen werden von China kontrolliert; das äußere Tibet bleibt „autonom“. Chinesen werden aus Zentral-Tibet vertrieben, unterzeichnen aber nicht den Vertrag. Die Briten und Tibeter unterzeichnen ihn nach Streichen der prochinesischen Bedingungen.

1913-1933 Periode einmaligen Friedens in Tibet unter dem Dreizehnten Dalai Lama. Tibet beginnt mit einer allmählichen Modernisierung und festigt die Beziehungen zu Britisch Indien.

1933 Tod des Dreizehnten Dalai Lama.

1935 Geburt des Vierzehnten Dalai Lama, Tenzin Gyatsho

1939 Einfürung des Vierzehnten Dalai Lama.

1947 Indien erlangt die Unabhängigkeit. Abzug der Briten, deren Anwesenheit die Chinesen von Übergriffen abgeschreckt hatte.

1948 Tibetische Handelsgesandtschaft besucht die Vereinigten Staaten von Amerika.

1949 Die kommunistischen Streitkräfte unter Mao Tse Tung schlagen die Armee von Tschiang Kai-schek.

1950
Die Volksrepublik China marschiert in Tibet ein und beansprucht Tibet als von altersher chinesisches Territorium. Indien erhebt Einspruch. Tibet protestiert bei den Vereinten Nationen. Der Sicherheitsrat nimmt den britischen Vorschlag an, die Parteien sich untereinander einigen zu lassen.

1951 Die tibetische Delegation in Peking wird gezwungen, ein 17-Punkte-Abkommen zu unterzeichnen, mit dem aus Tibet eine „nationale autonome Region Chinas“ wird.

1959 Der tibetische Aufstand gegen die chinesische Besatzungsmacht wird von der chinesischen Armee zerschlagen. Der Vierzehnte Dalai Lama flieht nach Indien, mit ihm etwa einhunderttausend Flüchtlinge. Er gründet seine Residenz in Dharamsala.

1967 Während der chinesischen Kulturrevolution werden Tibets Tempel, Klöster, Bibliotheken und heiligen Denkmäler zerstört oder in staatliche Museen umgewandelt.

1979 Tibet wird vorsichtig wieder für fremde Besucher geöffnet, die von den Chinesen sorgfältig ausgewählt werden.

Ab Septeber 1987  gelangen wiederholt Informationen über gewaltsame Demonstrationen in Lhasa und ganz Tibet gegen die chinesische Tibetpolitik durch westliche Touristen an die Weltöffentlichkeit. Die chinesischen Behörden reagieren darauf, indem sie erstmalig in der tibetischen Geschichte 1989 das Kriegsrecht über Lhasa verhängen.

05.10.1989 Dem XIV. Dalai Lama wird in Oslo der Friedensnobelpreises verliehen.

15. 5.1995 Der XIV. Dalai Lama erkennt Choekyi Nyima als die Reinkarnation des X. Panchen Lama an. Choekyi Nyima wird mit seiner Familie verschleppt und die chinesischen Behörden installieren am 29. 11.1995 Gyaltsen Norbu als XI. Panchen Lama im Jokhang-Tempel in Lhasa.
 
28.12.1999 Der XVII. Karmapa Urgyen Trinley Dorje flieht im Alter von 14 Jahren als einer der letzten religiösen Führer aus seinem Kloster Tshurpu nach Indien.
Hinweis: Über die Identität seiner derzeitigen Inkarnation des Karmapa besteht Uneinigkeit: Urgyen Trinley Dorje wurde 1985 in Osttibet geboren und 1992 im Kloster Tsurphu, dem traditionellen Sitz der Karmapas in Tibet, als Reinkarnation eingesetzt.. Er wurde von Situ Rinpoche, Gyaltsap Rinpoche, dem 14. Dalai Lama und der chinesischen Regierung anerkannt. Trinley Thaye Dorje wurde 1982 in Lhasa geboren und von Shamarpa, als Reinkarnation des 16. Karmapa anerkannt. Er floh im März 1994 nach Indien. 

2002 – 2005 Fünf Gesprächsrunden zwischen Vertretern der tibetischen Exilregierung und der chinesischen Führung führten bis heute zu keinerlei erkennbaren Veränderungen in der Tibet Politik der VR China. 

Kommentar:

Wer die obere Zeittafel aufmerksam verfolgt hat wird feststellen, dass ein Land, dass schon immer völlig friedfertig war, nie selbst einen Übergriff auf andere Länder vollzog – seit nunmehr weit über 2000 Jahren ständig angegriffen, besetzt, drangsaliert und bevormundet worden ist.

Mord, Totschlag und Enteignung waren stets die Mittel mit denen diesem Land und deren religiös-politischen Führern zugesetzt wurde.

Über 2000 Jahre aber auch, in denen das „Recht“ des Stärkeren dort nicht anerkannt wurde!