Vajrasattva-Reinigung

Es gibt verschiedene Reinigungspraktiken, worunter die Niederwerfungen vor den 35 Buddhas und die Varjasattva-Praxis die beiden meistverbreiteten und tief wirksamen Methoden im Vajrayana- Buddhismus sind.

Wir alle haben Dinge getan oder unterlassen, über die wir nicht gerade stolz sind oder derentwegen wir uns sogar schlecht fühlen. Dinge, die wir gerne wieder verändern würden, wenn wir könnten, die wir aber nicht mehr ungeschehen machen können. Reinigungspraktiken sind wunderbare Methoden, um zunächst die emotionalen Bereiche wie Schuldgefühle und dgl. zu reinigen sowie unsere Hindernisse positiveren Entwicklungen gegenüber, die unser Glück beeinträchtigen, zu eliminieren. Diese Schuldgefühle und Hindernisse kommen aus unseren gewohnheitsmäßigen Denk- und Empfindungsmustern und müssen nicht unmittelbar mit den Realitäten, die andere erleben, übereinstimmen. Sie bringen uns aber zu negativen Wahrnehmungen und destruktiven Reaktionsmustern, die wiederum dafür verantwortlich sind, mehr Negatives in unser Leben zu bringen. So entstehen endlose und schier undurchdringliche Verstrickungen, besonders dann, wenn diese von üblichen Glaubenssystemen und gesellschaftlichen Normen "gerechtfertigt" und somit unantastbar gemacht werden.

Schuldgefühle, die von vergangenen Taten herrühren, sind sinnlos, sie hinterlassen in uns nur ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Handeln andererseits, das die Kraft hat, Gegenwirkungen herzustellen, bewegt uns, negative Handlungen und Geisteseindrücke sowie störende Ansichten und Haltungen zu bereinigen und führt zu produktiven und hoffnungsvollen Gefühlen und Haltungen. Es hilft uns, unsere schlechten Gewohnheiten zu verändern und verringert Hindernisse für ein langes Leben und Erfolgserfahrungen in unserem spirituellen Leben.

Shakyamuni Buddha erklärt in seinen tantrischen Lehren, dass Vajrasattva-Meditation eine vorbereitende Übung für die Erzeugungs- und Erlangungsstufe der Höchsten Yogatantra-Praktiken ist. Darüber hinaus ist diese Meditation auf den Stufen des Pfades selbst notwendig, um beides zu komplementieren - Verdienste und Weisheit -, um die verschiedenen Blockaden und störenden Einflüsse zu lösen, die auf unterschiedlichen Stufen des Pfades entstehen können, und um dem Praktizierenden zu helfen, an die sich aufbauend entwickelnden Realisationen zu gewöhnen, wenn sie auftauchen.

Eine vollständige Reinigungspraxis besteht aus den vier Gegenkräften:

1.) Die Kraft der Reue, negative Handlungen begangen zu haben.

2.) Die Kraft der vertrauensvollen Hinwendung: Zufluchtnahme korrigiert unsere Beziehungen zu den Heiligen Objekten, und die Erzeugung des Erleuchtungsgeistes korrigiert unsere Beziehung zu anderen Lebewesen.

3.) Die Kraft der heilsamen Handlungen, wie Niederwerfungen, Darbringungen, die Namen Buddhas rezitieren, Dharmatexte lesen und diese kontemplieren usw.

4.) Die Kraft des Versprechens, die Handlungen nicht mehr zu wiederholen (mit Körper, Rede und Geist).

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Zuflucht und Bodhicitta

Ich nehme Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha bis zur vollständigen Erleuchtung. Beim positiven Potential, das ich erzeuge durch das Praktizieren von Geben und den anderen Perfektionen, möge ich Erleuchtung erlangen zum Wohle aller fühlenden Wesen. (3x)

Reinigung des Platzes

Möge die Erde überall rein sein, frei von Unebenheiten und Rauheiten und so weiter. Möge sie in der Natur des Lapizlazuli und so sanft wie die eigene Hand sein.

Darbringungsgebet

Mögen die menschlichen und göttlichen Darbringungssubstanzen, jene die materiell sind und diese, die emaniert werden, wie die unübertroffenen Wolken von Darbringungen von Samantabhadra den ganzen unbegrenzten Raum füllen.

Darbringungs-Dharani

om namo bhagavate vajra sarvaprama dana tathagataya arhate samyaksam buddhaya tayata om vajra vajra maha vajra maha taydza vajra maha bidya vajra maha bodhichitta vajra maha bodhi mendo pasam kramana vajra sarva karma awarana bisho dana vajra svaha.

Niederwerfungsmantra

om namo manjushriye namo sushriye namo uttama shriye svaha.

Die vier Unermesslichkeiten

Mögen alle fühlenden Wesen glücklich sein und die Ursachen des Glücks haben.
Mögen alle fühlenden Wesen frei sein von Leiden und deren Ursachen.
Mögen alle fühlenden Wesen in Gleichmut verweilen, frei von Ignoranz, Voreingenommenheit, Anziehung für die Nahen und Abneigung gegen die Fernen.
Mögen alle fühlenden Wesen immer im Zustand der wahren Glückseligkeit und des uneingeschränkten Friedens sowie der Freude der Befreiung sein, ungetrennt von den höheren Wiedergeburten.

Siebengliedrige Darbringung

Ehrfurchtsvoll werfe mich vor dem heiligen Körper des höchsten Arya, des Großen Mitfühlenden, nieder. Und bringe Unmengen von Gaben aller Art dar, wirkliche und geistig transformierte. Ich bekenne alle negativen Taten, die ich seit anfangsloser Zeit angesammelt habe. Und erfreue mich am Guten aller gewöhnlichen und heiligen Wesen. Bitte verweile bei uns bis zum Ende von Samsara. Und dreh das Rad des Dharma für fühlende Wesen. Ich widme alles Gute, erzeugt von mir und anderen, der großen Erleuchtung.

Visualisation

Aus der Leerheit erscheint ca. eine Handbreit über dir die Keimsilbe PAM, welche sich in einen tausendblättrigen, mehrfarbigen Lotos verwandelt, mit einem AH zuoberst. Dieses AH transformiert sich in eine Mondscheibe. In der Mitte erscheint ein stehender Vajra mit einem HUNG in dessen Mitte. Unmengen von Licht strahlt aus beiden, Hung und Vajra, die in die zehn Richtungen vordringen und die zwei Taten vollbringen: Zuerst gehen die Lichtstrahlen zu allen fühlenden Wesen, reinigen diese von allen Negativitäten, Verunreinigungen und negativen Gefühlen. Diese verwandeln sich in reines Licht, welches zum Hung und Vajra zurückstrahlt. Dieses reine Licht wird als Darbringung allen Buddhas und Bodhisattvas und Lehrern in Form von Nektar angeboten. Diese erfreuen sich und senden ihren Segen in Form von reinem, weißem Licht zurück in das Hung und Vajra. Hung und Vajra verwandeln sich spontan in Guru Vajrasattva. Er ist weiß, hat zwei Arme und ein Gesicht und sitzt in der vollen Lotosposition, geschmükt mit seidenen Gewändern und Ornamenten. Die rechte Hand hält einen Vajra vor dem Herzen, die Linke ruht im Schoß und hält eine Glocke. Guru Vajrasattvas Augen sind voll Mitgefühl, er hat eine Mondscheibe im Herzen, in deren Mitte das Hung und der Vajra sind. Am Rand der Mondscheibe steht das zu rezitierende Mantra im Uhrzeigersinn.

Generelles Geständnis (Kraft der Reue)

(Bitte auf das rechte Knie knien)

So ist es!

Oh, spirituelle Meister, große Halter des Vajra und alle Buddhas und Bodhisattvas, die in den zehn Richtungen verweilen, sowie áuch die ehrwürdige Sangha, bitte hört mir zu.

Ich, mit Namen (... ), im zyklischen Rad der Wiedergeburten seit anfangsloser Zeit kreisend bis zur Gegenwart, überwältigt von störenden Haltungen wie Anhaftung, Aversion und Ignoranz, habe die zehn negativen Taten mit Körper, Rede und Geist begangen. Ich habe die fünf verruchten Taten und die fünf zweitrangig verruchten Taten begangen. Ich habe die Regeln der individuellen Befreiung übertreten, dem Training eines Bodhisattvas widersprochen und die tantrischen Verbindlichkeiten gebrochen. Ich bin respektlos gewesen gegenüber meinen freundlichen Eltern, spirituellen Meistern, spirituellen Freunden und jenen, die reinen Pfaden folgen. Ich habe Taten begangen, die schädlich für die drei Juwelen waren, habe das heilige Dharma vermieden, die Sangha kritisiert und lebende Wesen geschädigt. Diese und viele andere destruktive Taten habe ich begangen, habe andere inspiriert, diese zu tun und habe mich an deren Durchführung gefreut. Kurzum: Ich habe viele Hindernisse erzeugt auf dem Weg zum Erlangen höherer Wiedergeburten und meiner eigenen Befreiung. Ich habe unzählige Samen für das weitere Herumwandern in Samsara sowie für das Entstehen von miserablen Daseinsformen gesät.

Nun, in der Präsenz der spirituellen Meister, der großen Vajra-Halter, aller Buddhas und Bodhisattvas, die in den zehn Richtungen verweilen, und der ehrwürdigen Sangha, gestehe ich alle diese negativen Taten. Ich werde sie nicht verbergen und sie als negativ akzeptieren.  Ich verspreche, vom Begehen dieser negativen Taten in Zukunft Abstand zu halten. Im Gestehen und Bekennen von diesen Taten, werde ich Glückseligkeit erlangen und darin verweilen, während im Nicht-Gestehen und Nicht-Bekennen dieser, wahre Glückseligkeit niemals eintreten wird. (3x)

Kurzes Mandala

Diese Basis, verfeinert mit Parfums, bedeckt von Blumen, Berg Meru im Zentrum, die vier Kontinente, Sonne und Mond, visualisiert als ein Buddhaland, bringe ich es Dir dar. Bitte akzeptiere es gnädig und segne mich, auf dass die drei Geistesgifte nicht mehr auftauchen mögen.

Inneres Mandala

Die Objekte meiner Anhaftung, Abneigung und Ignoranz - Freunde, Feinde und Fremde, meinen Körper, Reichtümer und alles, was ich genieße - bringe ich Dir dar ohne jegliches Gefühl des Verlustes. Bitte akzeptiere sie mit Freuden und inspiriere mich und andere, frei zu sein von den drei Geistesgiften.

Lobpreisung

Nichtduale göttliche Weisheit; magnifizentes inneres Juwelenornament von allen mütterfühlenden Wesen; höchste, unveränderliche,  immerwährende, große Glückseligkeit; unzerstörbarer, magnifizenter Weisheitsgeist, der alle fühlenden Wesen von allen Negativitäten des Körpers, der Sprache und des  Geistes reinigt, besonders gebrochener Gelübde und Regeln: Vor Dir, glorreicher Vajrasattva, werfe ich mich nieder.

Kraft des Gegenmittels

(Während er Mantrenrezitation visualisiere einen ununterbrochenen Strom reinen, weißen Lichts vom Hung, vom Vajra und vom Mantra ausgehend, der dir durch den Scheitel tief ins Herz dringt und alle Verunreinigungen von Körper, Rede und Geist reinigt. Es erfüllt jede Zelle deines Körpers und erfüllt deinen Geist mit unbeschreiblicher Glückseligkeit.)

om vajrasattva samaya / manupalaya / vajrasattva deno patishta / dridho me bhava / suto khayo me bhava / supo khayo me bhava / anu rakto me bhava / sarva siddhim me prayatsa / sarva karma su tsa me / tsittam shriyam kuru hung / ha ha ha ha ho / bhagavan / sarva tatagatha / vajra ma me mu tsa / vajra bhava maha samaya sattva ah hung phet. (21x)

(Oh großes Wesen, dessen heiliger Geist in der unzerstörbaren Natur aller Buddhas ist, der alle Verblendungen zerstört und alle Realisationen erlangt hat, und jenseits allen Leidens gegangen ist. Du, der Du die Realisation der Dinge wie sie sind, erreicht hast, bitte verlasse mich nicht. Bitte bringe mich näher an deinen Vajra heiligen Geist und gewähre mir die Fähigkeit, die ultimative Natur aller Phänomene zu realisieren. Bitte hilf mir, die große Glückseligkeit zu realisieren. Bitte bring mich in deinen Zustand und gewähre mir alle karftvollen Errungenschaften. Bitte verleihe mir alle guten Eigenschaften, Taten und glorreichen Qualitäten.)

(Visualisationen zur Reinigung von Körper, Rede, Geist)

Kraft des Vertrauens

Durch Ignoranz und Verblendungen habe ich meine Versprechungen teilweise oder ganz gebrochen. Heiliger Guru, der die Kraft hat, mich zu befreien; mein innerer Meister, Halter des Vajra, dessen Essenz großes Mitgefühl ist; Herr aller transmigrierenden Wesen: zu Dir nehme ich Zuflucht.

Kraft des Versprechens 

(Nach der Mantrenrezitation und den Visualisationen mache folgendes Versprechen an Vajrasattva und spezifiziere die Zeit, in der du besonders darauf achten wirst, sie einzuhalten:)

Ich werde diese Handlungen von jetzt bis ...... nicht begehen.

Vajrasattva ist sehr erfreut und zufrieden mit dir und sagt: "Mein spirituelles Kind der Essenz, alle deine Negativitäten, Blockaden, Verblendungen und degenerierten Versprechen sind gänzlich bereinigt."

(Fühle dich angenommen, gereinigt und geliebt. Verweile in diesem Zustand.)

Sich riesig freuen!

Widmung

Auf Grund dieser Verdienste möge ich schnell Vajrasattva werden und möge ich alle auf Erden wandelnden Wesen - ohne Ausnahme - befreien und in denselben Zustand bringen.

Möge der Bodhicitta-Geist, der noch nicht geboren ist, entstehen und der, der schon entstanden ist, immerzu wachsen und nie vergehen.

Auf Grund all dieser Verdienste mögen alle väter- und mütterfühlenden Wesen alles Glück haben und mögen die niedrigen Daseinsbereiche für immer geleert werden. Wo immer Bodhisattvas sind, mögen alle ihre Gebete augenblicklich in Erfüllung gehen und möge ich all das aus mir selbst verursachen.

Im Paradies der Schneeberge bist Du die Quelle alles Guten und allen Glücks, mächtiger Tenzin Gyatso Chenrezig, bitte verweile mit uns bis ans Ende von Samsara.

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